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  • AutorenbildIlka Sventja Küster

Dunkelgrüne Religion - meine Buchempfehlung

Ein paar von meinen LeserInnen sind ja neugierig, was ich in meinem Ethnologie-Studium so mache und da dachte ich, weil es gerade so schön passt, teile ich mal die Rezension zu diesem absolut fantastischen Buch, das ich gerade gelesen habe und zu dem ich eine Rezension schreiben sollte, auch hier im Blog.


„Dunkelgrüne Religion – Naturspiritualität und die Zukunft des Planeten“ von Bron Taylor wurde 2009 veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung von Kocku von Stuckrad erschien 2020 im Fink Verlag.

Bron Taylor ist Professor für Religionswissenschaft und Umweltethik an der Universität Florida.

 

„Dunkelgrüne Religion“ versucht ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie eng verflochten Umweltaktivismus und Naturspiritualität heute sind und dass es längst keine klaren Grenzen zwischen Wissenschaft und Spiritualität auf diesem Gebiet mehr gibt. Taylor beleuchtete in seiner Forschung ganz konkrete Beispiele aus Umweltaktivismus, biologischer Forschung, Literatur, Politik bis hin zum Sport, wo die Natur als etwas Heiliges betrachtet und entsprechend wertgeschätzt und verehrt wird. Das von Taylor untersuchte Feld an der fließenden Grenze zwischen Wissen und Glauben zieht den Leser mit jedem weiteren Beispiel tiefer in seinen Bann, weil man sich wirklich immer wieder fragt „Wo hört Wissenschaft auf?“ und „Ist das schon eine Naturreligion?“. Taylor wirft auch die Fragen auf, ob es nicht längst schon eine globale Naturreligion mit unzähligen Anhängern gibt und inwieweit wir diese brauchen, um die Erde nicht weiter auszubeuten und zu zerstören.

 

Taylor beginnt die Reise in die Welt der dunkelgrünen Religion, wie er sie nennt, chronologisch und versucht frühe Formen zu identifizieren. Wenn es eine notwendige Voraussetzung für diese Form der Naturverehrung gab, dann betrachtet er Charles Darwins Veröffentlichung von „On the Origin of Species“ im Jahr 1859 als solche.

Um sein Untersuchungsfeld etwas klarer zu strukturieren, unterteilt er dunkelgrüne Religion in vier Typen, die gar nicht alle auf den ersten Blick im klassischen Sinn religiös wirken. Das führt zu einem interessanten Effekt. Ob es den Personen, deren Position er im Verlauf seiner Forschung untersucht hat, nun gefällt oder nicht, betrachtet er zum Teil auch Wissenschaftler, die sich klar zum Atheismus bekennen, als Anhänger dunkelgrüner Religion.

 

Für Taylor beginnt dunkelgrüne Religion bereits bei Gefühlen der Erhabenheit der Natur und solche Aussagen finden sich nicht nur unter Mitgliedern paganer Glaubenssysteme oder Anhängern einer Gaia-Spiritualität. Um dieses Gefühl der Naturverehrung für den Leser spürbar zu machen, enthält das Buch umfangreiche, kommentierte Auszüge aus den Werken von Henry David Thoreau, dessen Einfluss auf die beginnende Umweltschutzbewegung er ausführlich darstellt.

 

Als Schattenseite dunkelgrüner Religion hat Taylor auch die Akteure und Schriften radikalen Umweltschutzes intensiv betrachtet. Er beschreibt sehr eindrücklich wie aus der Liebe zur Natur und dem Bedürfnis Gaia vor Zerstörung durch die Industriegesellschaften zu schützen, die „Ökotage“ Bewegung entstanden ist, die sich ganz offensiv mit Sabotage-Aktionen zum Beispiel gegen Regenwaldabholzungen wendeten. Den Umfang an Gewaltbereitschaft, Sachbeschädigung bis hin zu Todesfällen und Märtyrern auf Seiten der Umweltaktivisten beschreibt Taylor als häufig bei Religionen anzutreffenden Radikalismus einzelner und kleinerer Gruppierungen, der aus der Erwartung eines apokalyptischen Endes der Welt genährt wird. Später im Buch setzt er diesem aggressiven Ausdruck dunkelgrüner Religion der 1970er und 80er dann auch viel friedlichere Versionen entgegen.

 

Ein vielleicht überraschendes Kapitel ist Taylors Untersuchung von Surfer-Communities auf die Elemente dunkelgrüner Religion. Und auch hier findet er nicht nur die Verehrung der Natur oder genauer des Ozeans, sondern auch viele Rituale, die in der Gemeinschaft zelebriert werden.

Weitere Gesichter dunkelgrüner Religion und ihrer globalen Verbreitung findet Taylor in Filmen, Kunst, Wissenschaft und Literatur und bietet so ein wirklich umfangreiches Bild, wo wir diesen Glauben überall antreffen und wer seine Vertreter sind.

Auch wenn Aspekte der Politik eigentlich allgegenwärtig sind in diesem Buch, so gibt es zum Schluss nochmal ein Kapitel über die Erdcharta der Vereinten Nationen, den Ergipfel der Völker und den offiziellen Weltgipfel zur nachhaltigen Entwicklung, bevor Taylor zum abschließenden Kapitel übergeht, in dem er nochmal auf den Punkt bringt, wie die dunkelgrüne Religion sich für die Zukunft unseres Planeten auswirken kann.

 

Mich hat das Buch sehr berührt und ich habe viele Eindrücke erhalten, die noch in mir nachwirken. Ich empfinde Taylors Arbeit als Einladung in einige der Teilgebiete tiefer einzusteigen und erbietet eine schier endlose Anzahl an Möglichkeiten und Ansatzpunkten dazu. Mir persönlich gefällt das „Council of all Beings“ von Joanna Macy, um sich tiefer mit der spirituellen Ebene der Natur zu verbinden. (Dieses Ritual werde ich definitiv dieses Jahr noch anbieten! ich fühls jetzt schon!)

Und ich habe durch die wundervolle Auswahl an Zitaten ganz unterschiedlicher Wissenschaftler und anderer berühmter Personen auch feststellen dürfen, wie viele Menschen, von denen ich es nicht gedacht hätte, unseren Planeten als ein lebendiges Wesen betrachten und sich tief verbunden fühlen. Mir macht es auch Hoffnung, dass wir es als Menschheit doch noch schaffen, das Ruder herumzureißen, auch wenn es nicht leicht wird. Die dunkelgrüne Religion, so wie Taylor sie beschreibt, von spirituell bis wissenschaftlich, kann wirklich der Schlüssel dafür sein, wenn wir erkennen, wie groß diese ungewöhnliche „Religionsgemeinschaft“ weltweit bereits ist.

 

Ich empfehle ganz eindeutig jedem Menschen auf diesem Planeten (und allen, die das hier auf meinem Blog lesen erst recht!) dieses Buch zu lesen. Es ist wirklich super gut geschreiben, leicht zu lesen und das Thema geht uns alle an! Taylors Forschungsergebnisse machen Mut, auch wenn er gleichzeitig deutlich sagt, dass die Auswirkungen dunkelgrüner Religion auf die Politik, den Umweltschutz höher zu priorisieren, bisher noch gering sind. Aber die Anfänge sind gemacht. Je mehr wir uns unserer Liebe zu unserem Planeten öffnen und hingeben, wie so viele der Personen in diesem Buch, desto wahrscheinlicher wird es, dass wir Menschen wieder im Einklang mit „Mutter Erde“ leben können.

 

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