Warum sich Business nicht gut anfühlt!
- Ilka Sventja Küster

- 29. Juli
- 7 Min. Lesezeit
Seit ich mich selbstständig gemacht habe, hardere ich mit dem Wort "Business" ohne so richtig zu verstehen warum. Ich bin dazu im Widerstand, von Anfang an. Zu erst dachte ich es liegt daran, was ich persönlich mit diesem Wort verbinde. Männer in Anzügen, die zwar teure Uhren tragen, aber keine Zeit mehr haben. Das war ja nie, wie ich leben wollte. Ich veränderte also mein inneres Bild dazu, aber das half nicht viel. Das Gefühl von Druck und Stress blieb immer. Und heute weiß ich: das war gut so!
Trotzdem durchlief ich eine ganze Odyssee um zu analysieren, was mit mir nicht stimmte, weil ich einfach nicht warm damit wurde, ein Business zu führen. Ich räumte mit traumatischen Ereignissen in meinem Leben auf (Ich wurde echt mal ziemlich gedemütigt, weil ich Geld verdient hatte), arbeitete an meinem Mindset, räumte die Traumata meiner Ahnen auf und die aus meinen vergangenen Leben (Hexenwunde und all das). Ich arbeitete zu Geld, zu Selbstwert, zu Sichtbarkeit, zu Wohlstand und Reichtum, zu Erfolg... alles was mir so einfiel, ich kann gar nicht mehr alles aufzählen. Ich stellte mich meinen Selbstsabotagestrategien und meinen Überlebensstrategien als Gesamtkunstwerk. Ich begegnete einer Reihe mächtiger Ängste vor Ablehnung, Versagen, Ausgrenzung, Verurteilung, Einsamkeit, Überforderung, you name it.
Ich lernte mich auf diesen Weg so viel besser kennen. Ich löste wirklich viele Themen auf, die mich auf meinem Lebensweg einschränkten und mich zu einem viel selbstbewussteren und freieren Menschen gemacht haben. UND: mein Widerstand zu Businessthemen blieb standhaft.
Was ich jetzt aber endlich tun konnte, war eine andere Position zu dem Thema einzunehmen. Ich hatte nämlich aufgehört an mir zu zweifeln und startete endlich mal die Analyse meines Gegenübers. Ich fragte mich nicht mehr, was mit mir nicht stimmt, ich begann mich zu fragen, was mit dem Konzept ein Business zu haben für mich nicht stimmt. Ich war im Lauf der Jahre - ja, Jahre!!! - so viel klarer in meiner Wahrnehmung geworden und hatte gelernt ihr zu vertrauen. Wenn ich das Gefühl hatte, dass eine Weg, eine Person, eine Situation für mich nicht gut waren, dann handelte ich danach. Und mein Gefühl zum Business war nie ein Gutes, doch da suchte ich den Fehler lange bei mir. Schon schräg, oder? Ich glaube, der Punkt war, dass ich alle Wirtschaftsthemen mied, wie der Teufel das Weihwasser. Ich wusste immer gerade so viel, wie ich zwingend wissen musste. ich blieb aber immer an der Oberfläche, wollte nie das große Ganze verstehen. Obwohl ich das sonst eigentlich immer will. Das große Ganze verstehen ist mein heiliger Gral. Hier nicht, ich umschiffte es, wo es nur ging.
Aber das Leben führte mich zur Ethnologie und auch dort gibt es den Bereich der Wirtschaftsethnologie. Ich habe es an anderer Stelle schon geschrieben, ich schob das Thema auch hier vor mir her. Dennoch dämmerte mir in der Vorlesung, dass es da so einiges für mich zu entdecken gab. Ich reagierte nämlich extrem emotional auf die Inhalte. Ich wurde sogar wütend und aufbrausend und das sind keine üblichen Gefühle für mich. Ich begann zu begreifen, dass ich einen sehr blinden Fleck hatte. Und ich begann zu befürchten, dass ich nicht die einzige bin. Wir bekommen seit Generationen Geschichten über Wirtschaft und den Homo Oeconomicus erzählt, die nichts anderes als kapitalistische Märchen sind, Manipulationen. Da wurde mir langsam klar, was hinter meiner tiefen Abneigung und meinem anhaltenden Widerstand gegen ein Business steht: der Kapitalismus.
Wie tief wir in der Suppe drin hängen ist an unserer Sprache eigentlich so deutlich zu erkennen. Wir sehen es nur nicht, weil es unser Normal geworden ist und weil wir fast schon vergessen haben, dass Kapitalismus nur eine - und dazu noch eine sehr extreme und toxische - Form des Wirtschaftens ist. Wirtschaften ist nichts Schlechtes. Ursprünglich ging es schlicht darum, die vorhandenen Ressourcen sinnvoll zu nutzen zum Wohle der Gemeinschaft. Erst der Kapitalismus brachte Gewinnmaximierung und Ausbeutung. Und in der Suppe schwimmen wir heute...
Jedenfalls begriff ich, dass ich auch ohne dieses Wissen ein sehr zuverlässiges Gefühl dafür hatte, dass da etwas ganz und gar nicht gut ist und dass ich da eigentlich gar nicht mitmachen will. Aber welche Wahl hatte ich? Ich dachte ja, das ist der einzige Weg.
Jetzt bin ich an dem Punkt, an dem Fühlen und Wissen zusammenfinden und was das Wissen mir schenkt sind Worte und Belege für meine Gefühle. Ich wurde auf dem Weg, den Fehler bei mir zu finden und zu korrigieren ja immer feinfühliger. Auch wenn in der spirituellen Bubble total viele Frauen unterwegs sind, die versuchen ein weibliches Businesssystem zu propagieren und vor allem auch zu verkaufen, steht dahinter der selbe Business-Mist, wie überall anders auch. Und warum? Weil das Ganze auf einer viel tieferen Ebene mit allem verwoben ist.
Allein schon das Wort "Business" bedeutete im Altenglischen (bisignes) ursprünglich „Sorge“, „Unruhe“ oder den Zustand des „Beschäftigtseins“ und das ist so deutlich fühlbar. Ich kennen niemanden, der selbstständig ist und nicht dauernd mit Gefühlen von Sorge und Unruhe zutun hat. Die heutige Bedeutung als Handel und wirtschaftliches Unternehmen erhielt das Wort erst im späten 14. Jahrhundert und hat sich dann endgültig im 18. Jahrhundert als Begriff für Handel und Kommerz durchgesetzt. Und Handel und Kommerz wollte ich definitiv auch nicht betreiben.
Im deutschen Sprachraum wurde das Wort Business scheinbar erstmalig bei der EInführung der Business Class im Flugzeug verwendet und bekam so einen luxuriösen Anstrich. In den 1980ern etablierte es sich in der Finanz- und Konzerwelt und wurde in den 90er dann durch Globalisierung und das Internet allgegenwärtig. Trotzdem fühle ich immer noch seine usprünglichen Bedeutung und die ist Erklärung genug für meinen Widerstand.
Deutsche Worte sind aber leider nicht wirklich besser. In unsere Sprache hatten wir vorher
„Geschäft“, „Gewerbe“, „Unternehmen“ oder auch "Betrieb". Die fühlen sich alle ein bißchen unterschiedlich an, aber auch nicht wirklich gut. Man erkennt aber schnell, dass sich alle auf Verben rund um Handlungen und Aktivitäten beziehen. Das ist besser als "sich aus Sorge und Uhruhe zu beschäftigen", was für mich das ganze "Getue" der Business-Welt ziemlich den Nagel auf den Kopf trifft, aber die Energie der Worte ist trotzdem nichts wo ich begeistert unterschreiben würde.
Das Wort Geschäft leitet sich historisch von "schaffen" ab. Es entstand im Mittelhochdeutschen (geschefte) als Bezeichnung für eine Aufgabe, Tätigkeit oder eine Angelegenheit, also etwas, das schlichtweg zu tun war. Erst im 19. Jahrhundert übertrug sich das Wort für die Tätigkeit auf physische Orte, an denen diese Arbeit stattfindet, wie einen Laden, ein Büro oder einen Verkaufsraum. Das fühlt sich auch noch am neutralsten an. Aber ein Geschäft habe ich trotzdem nicht aufbauen wollen.
Das Wort Gewerbe geht auf das Verb werben zurück, das im Althochdeutschen noch „sich drehen“, „bewegen“ oder „tätig sein“ bedeutete. Im Mittelhochdeutschen stand gewerbe für einen Wirbel, ein Körpergelenk oder das allgemeine geschäftige Treiben und Bemühen. Wer „warb“, der war also emsig in Bewegung. Im 15. und 16. Jahrhundert bildete sich daraus im Zuge des städtischen Aufstiegs die feste Bedeutung einer dauerhaft ausgeübten, auf Gewinn ausgerichteten Arbeit, z.B. im Handwerk oder Handel. Und da klinkt sich leider wieder der Kapitalismus als Energiefeld rein. Mal vom dauerhaften, wirbeligen Treiben abgesehen, ist die Ausrichtung auf Gewinn energetisch echt ein zweischneidiges Schwert. Ich fühle mich in der Gegenwart von Waffen nicht wohl. ;)
Das Wort Unternehmen leitet sich direkt vom gleichnamigen Verb ab, das sich aus unter und nehmen zusammensetzt. Die ursprüngliche althochdeutsche Bedeutung (untarneman) bedeutete kurioserweise „unterbrechen“ oder „dazwischentreten“. Und das finde ich wild! Nein, ehrlich, denn das ist genau was passiert. Handel trennt Erzeuger und Verbraucher von einander. Nie war das so deutlich sichtbar, wie heute mit den ganzen Online-Plattformen. Erzeuger und Verbraucher sind einander oft unbekannt. Das war früher anders. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Bedeutung von Unternehmen hin zu „etwas in die Hand nehmen“, „etwas beginnen“ oder „etwas wagen“. Das Substantiv Unternehmen stand ab dem frühen 17. Jahrhundert zunächst allgemein für ein großes Vorhaben oder einen Plan. (Hier möchte ich kurz an das Kreuz der Planung erinnern!) Erst im 18. Jahrhundert verengte sich der Begriff im Zuge der Industrialisierung auf eine wirtschaftliche Organisation. Der Unternehmer wurde begrifflich stark durch das französische Vorbild des Entrepreneur geprägt. Womit ein weiteres Wort auftaucht, mit dem ich hardere...
Das Wort Betrieb leitet sich direkt vom starken Verb betreiben ab, welches wiederum eine Zusammensetzung aus der Vorsilbe be- und dem Verb treiben (althochdeutsch: triban für „bewegen“, „vorwärtsstoßen“) ist. Im Mittelhochdeutschen bedeutete betrîben zunächst, etwas voranzutreiben, Vieh zu jagen oder eine Sache intensiv zu verfolgen. Im 18. Jahrhundert bildete sich daraus das Substantiv Betrieb. Es bezeichnete zuerst das „In-Gang-Halten“ einer Arbeit. Erst im 19. Jahrhundert, mit dem Beginn der Industrialisierung, wandelte sich das Wort von der reinen Tätigkeit zur Arbeitsstätte bzw. der Organisation. Gerade dieses Gefühl des Antreibens oder des Angetrieben werdens ist hier etwas, was ich stark wahrnehme. Da schwingt vorallem auch sehr viel Kontrolle mit und Druck. Unschön.
Das einzige Wort, das mir im deutschen Sprachegebrauch besser gefällt ist Praxis. Es stammt vom altgriechischen Substantiv prāxis (πρᾶξις), was schlicht „Handlung“, „Tat“ oder „Verrichtung“ bedeutet. Praxis wurde im Deutschen als direkter Gegenpol zur rein theoretischen Wissenschaft verwendet, Theorie und Praxis. Wer praktizierte, wendete sein Wissen am Menschen oder am Objekt an. Und DAS fühlt sich wirklich gut an, oder? Wissen anwenden. Das mag ich.
Im 19. Jahrhundert spezialisierte sich das Wort im Deutschen auf die Arbeitsstätte von Freiberuflern, insbesondere für Ärzte und Anwälte, um deren Tätigkeit von den rein kommerziellen „Geschäften“ oder „Fabrikbetrieben“ der Kaufleute abzugrenzen. Auch das ist heute noch ganz deutlich spürbar, auch wenn sich das heute noch viel stärker auf Berufe im Gesundheitsbereich bezieht. Aber auch Coaches haben Praxen.
Spannend, oder? Sprache ist so zentral. Mit unseren Worten legen wir das energetische Fundament für alles, was wir aufbauen und wie wir uns ddamit fühlen. Für mich ist es kein Wunder, dass so viele feinfühlige Menschen die enorme Reibung spüren, zwischen dem, was sie von ihrem heilsamen und liebevollem Wissen in die Anwendung bringen wollen und den Worten, die dafür benutzt werden. Das schmerzt. Und wenn man dann auch noch den Fehler bei sich sucht... Leider hört es da bei diesen Begriffen nicht auf. So viel mehr Worte bringen eine Energie mit, die nicht zum eigentlichen Tun passt. Preise, Waren, Produkte, Marketing, Werbung, Profit, Gewinn, Konsumenten, Kunden, Verkaufen... Es braucht da viel mehr Achtsamkeit, was man mit den Worten an Konzepten und Energien einlädt. Denn sonst entsteht wirklich eine Menge Widerstand in dem, was eigentlich durch uns in die Welt möchte, aber nie als "Business" gedacht war.
Würde ich nochmal von Vorne beginnen, dann hätte ich von Anfang an eine Praxis - physisch oder virtuell ist dabei gar nicht so wichtig, und vielleicht würde ich ein Honorar für meine geleisteten Dienste berechnen. Das bezieht sich nämlich tatsächlich auf Ehre und Anerkennung. Aktuell nimmt mein Weg noch ein paar ganz andere Kurven, aber diese Erkenntnisse wollte ich sehr gerne mit euch teilen.




Vielen Dank für's Teilen, einen ähnlichen Weg bin ich auch gegangen; allerdings kam ich bisher nicht so weit, auch in die Begriffsenergien zu gehen. Danke für Deine gut recherchierten Ausführungen und Inspirationen,Ilka-Svenja!