Ahnenbotschaft: Die Sonne ist nur ein Lied entfernt
- Ilka Sventja Küster

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Welcher Ahne oder welche Ahnin hat eine Botschaft für uns?
Ich sehe eine Person in einem dicken Fellmantel und Fellhandschuhen und -mütze. Nicht die feine Modeversion, sondern die alltägliche, die die nötige Wärme spendet. Ich fühle mehr als dass ich sehe, dass eine Frau in diesen Fellen steckt. Um uns herum liegt Schnee. Aus ihm heraus ragen Nadelbäume. Der Himmel ist wolkenverhangen und das Licht trüb. Ich blicke in dunkle, mandelförmige Augen. Meinem Gefühl nach bin ich sehr hoch im Norden. Alaska? Grönland? Sowas in der Richtung. Die Ahnin streckt mir ihre Hand in dem Fellfäustling entgegen. Das Fell ist zottelig und Eisbrocken hängen darin.
Als ich ihr meine Hand reiche, bemerke ich, dass ich ein ähnliches Paar Fäustlinge trage und ein Blick an mir herunter zeigt mir auch einen Fellmantel, ja sogar Fellschuhe. Sie nimmt mich mit zu einem Platz, wo mehrere Bäume gefällt worden sind, und wir setzen uns auf zwei Baumstümpfe. Auch wenn noch viel Schnee liegt, ist eindeutig Tauwetter. Als ich meinen Blick schweifen lasse, sehe ich einen Hügel hinab Segelschiffe im Schnee liegen. Dort muss ein zugefrorener See oder ein Fluss sein.
Die Ahnin schaut mich neugierig an, sagt aber weiterhin kein Wort. Ihr Augen wirken traurig und ich habe das Gefühl, dass sie sich noch sammelt. Ich lächle ihr vorsichtig zu und versuche das Gespräch zu beginnen. „Danke, dass du auf meine Frage reagiert hast und dass ich hier sein darf. Wo sind wir?“ „Patikiwatomi“ erhalte ich als Antwort in einer sehr sanften und leisen Stimme und ich bin mir fast nicht sicher, ob sie wirklich ihre Lippen bewegt hat. Mit dem Ortsnamen kann ich jedenfalls nicht viel anfangen. Sie scheint nicht besonders gesprächig zu sein also frage ich sie direkt, welche Botschaft sie für uns hat. Sie nickt und steht auf, als ob sie sich für eine Rede in Position stellt.
Ihre Füße finden einen sicheren Stand auf dem unebenen Boden. In einer fließenden Bewegung bringt sie ihre linke Hand auf Brusthöhe mit der Handfläche nach oben und ihr rechter Arm weist seitlich schräg nach oben in Richtung Himmel. Dann beginnt sie in ihrer Sprache zu singen. Zu den Worten gehören kleine Bewegungen. Mal ein Schrittchen zur Seite, mal dreht sie eine Hand oder verändert die Position ihres Armes. Die Bewegungen sind weich und fließen sehr harmonisch mit ihrem zarten Gesang, der so gar nicht in diese raue Landschaft zu passen scheint.
Ich beobachte, wie ihre Augen beginnen zu leuchten und wie ihre Stimmung sich aufhellt und dann bricht ein kleiner Sonnenstrahl durch die Wolkendecke und dann noch einer. Die Wolkendecke wird zunehmend dünner und die Sonne kommt durch. Ich höre einen Vogel rufen, als ob er auf ihr Lied antwortet. Dann scheint sie am Ende angelangt zu sein und nach kurzem Innehalten setzt sie sich wieder zu mir. Sie spricht in ihrer Sprache zu mir und dennoch verstehe ich sie in meinem Kopf.
„Mein Volk lebt an einem Ort, der von Kälte und in großen Teilen auch von Dunkelheit beherrscht ist. Wir haben uns sehr gut daran angepasst. Wir sehen sehr gut in der Dunkelheit und die Kälte macht uns wenig aus. Dennoch lieben wir alle die Sonne. Wenn wir uns begrüßen und verabschiede in unserer Sprache, dann heißt das soviel wie ‚Die Sonne ist nur ein Lied entfernt.‘ Und wir vertrauen darauf, weil wir dieses Lied kennen. Ich habe es gerade gesungen. Die Sonne kommt, wenn wir für sie singen.“ Sie lächelt.
„Wir haben auch noch andere Lieder, für andere Dinge. Wir singen für die Fische, die wir fangen wollen, um unsere Familien zu ernähren. Wir singen für den Wind, der unsere Schiffe bewegt. Wir singen für die Sterne, an denen wir uns orientieren. Wir singen für den Frühling, damit der Schnee taut. Alles hat ein Lied.“ Wieder lächelt sie.
Das fühlt sich so schön an. „Hast du auch ein Lied? Ich meine, eins mit dem du gerufen wirst?“ frage ich sie und sie nickt, was wie eine kleine Verbeugung wirkt. „Und singt ihr immer für alles, was ihr haben möchtet?“ Sie nickt wieder.
„Das ist zauberschön. Nicht nur weil ihr singt, sondern weil es auch das Bewusstsein erfordert, dass ihr euch immer auf das ausrichtet, was ihr haben wollt, richtig?“ Wieder nickt sie stumm.
„Was genau möchtest du uns in unserer Zeit damit sagen?“
„Egal wie dunkel und kalt es ist, die Sonne ist nur ein Lied entfernt.“ sagt sie und ich weiß, sie wird nicht mehr erklären. Also nicke ich und bedanke mich bei ihr. Und ich verabschiede mich mit den Worten „Die Sonne ist nur ein Lied entfernt“ und sie erwidert den traditionellen Abschiedsgruß in ihrer Sprache.
(Empfangen zum Ostermond 2026)
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